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Sperrgebiet und Lehrlingsmangel

 
 

Mittwoch, 20. Februar 2019 17:30

Metzger-Innung Mittelfranken-Süd verabschiedet Dr. Hurka – Neue Auflagen per Verpackungsgesetz

Ein Innungsteller zum Abschied: Dr. Herbert Hurka und Obermeister Willy Böbel (von links).


Pleinfeld-Stirn (pr) – Eine unangenehme Nachricht überbrachte Dr. Miriam Wittke-Stockhausen den Mitgliedern der Metzger-Innung Mittelfranken-Süd: Just am Tag der Jahreshauptversammlung wurde die Region von Weißenburg über Roth bis ins Nürnberger Land ins Sperrgebiet für die Blauzungen-Krankheit bei Rindern aufgenommen. Nach Angaben der Leiterin des Veterinäramts Weißenburg-Gunzenhausen müssen Rindertransporte (etwa zum Schlachthof) ab sofort angemeldet werden; eine Unbedenklichkeitserklärung des Tierhalters ist mitzuführen.

 

Die Veterinärin, die in Berlin studiert hat und am 1. Dezember Dr. Georg Lechner im Amt folgte, sieht aber keinen Anlass zur Panik: 2008 sei ganz Deutschland zum Sperrgebiet erklärt worden. Die Metzgereibetriebe erinnerte sie, die laut Infektionsschutzgesetz alle zwei Jahre verpflichtende Hygieneschulung durchzuführen; eine jährliche Folgeschulung für die Mitarbeiter könne der Chef z.B. bei einer Betriebsversammlung halten.

 

Einen Ehrenteller der Innung übergab Obermeister Willy Böbel (Georgensgmünd-Rittersbach) im Gasthof „Schwarzer Adler“ in Pleinfeld-Stirn an Dr. Herbert Hurka und würdigte dessen Kompetenz und stets offenes Ohr für die Metzger. Der seit 23 Jahren amtierende Leiter des Veterinäramts Roth tritt Ende März in den Ruhestand und dankte den Metzgern für die gute Zusammenarbeit im Sinne des Verbraucherschutzes.

Hurka warb bei den selbstschlachtenden Betrieben für die neuen Vorgaben für elektrische Betäubungsanlagen ab 9. Dezember 2019; diese müssen dann u.a. digital alle Daten aufzeichnen können. Eine Neuinvestition dafür in Höhe von 4500-5000 Euro könne aber auch die Fleischqualität verbessern. Der Veterinär bedauerte, dass die Zwänge für die kleinen Metzgereien künftig wohl nicht geringer werden – ebenso wie für das Überwachungspersonal im Amt.

 

StD Volkmar Steffanides von der Staatlichen Berufsschule Weißenburg berichtete von der Änderung des Schulsprengels – derzeit wird nur noch die Einstiegsklasse 10 der Metzger bzw. Fleischerei-Fachverkäuferinnen vor Ort beschult, die 11 und 12 grundsätzlich in Fürth. Man halte die Fachräume vor, aber es sei in jedem Schuljahr ungewiss, ob die Mindestzahl von zwölf Schülern (sechs jedes Lehrberufs) erreicht werde, insgesamt müssten es 16 Schüler sein.

Die Einstellung vieler Eltern gegenüber dem Nahrungsmittelhandwerk sei „katastrophal“, sagte Steffanides. Gegen dieses negative Image müsse man kämpfen. Das unterstrich Willy Böbel, der auch schwache Nachfrage beim Berufsparcours in Treuchtlingen oder der „Nacht der Ausbildung“ in Roth beklagte: Man müsse das Gespräch mit der neuen Landesregierung in München suchen, um kleine Strukturen zu erhalten. Laut Sebastian Dörr, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, droht sonst in zehn bis 15 Jahren ein Ende der regionalen Beschulung und komplette Zentralisation in Fürth.

 

Dörr legte die Jahresrechnung 2018 vor und bilanzierte für die Innung ein Plus von immerhin 1500 Euro. Und das, obwohl die Zahl der Mitgliedsbetriebe von 52 auf 49 sank. Im Jahr 2019 hat man weitere drei weiter wegen Betriebsaufgabe verloren und kalkuliert trotz 50 Euro mehr Beitrag pro Betrieb an den Fleischerverband mit einem ausgeglichenen Etat.

Geplante Termine: Grillseminar in der Metzgerei Knäblein (11. April), Plattenlegeseminar, Verkaufsschulung, Fahrt zur Fachmesse IFFA in Frankfurt (8. Mai), Herbstversammlung (22. Oktober), Weihnachtsfeier (23. November), Zwei-Tage-Fahrt zur „Genusszentrale Wenisch“ in Straubing (Anfang 2020).

 

Wilhelm Scheuerlein von der Handwerkskammer für Mittelfranken informierte über die Novellierung des Verpackungsgesetzes, die auch Metzger betrifft. Denn künftig muss auch für viele Service- und nicht mehr nur für Verkaufsverpackungen eine Lizenzgebühr für die spätere umweltgerechte Entsorgung bzw. Wiederverwertung entrichtet werden. Zudem wurde eine Zentralstelle Verpackungsregister (www.verpackungsregister.com) eingerichtet. Hier kann sich selbst registrieren, wer nicht schon lizenzierte Verpackungen – von der Tüte bis zur Dose – über den Hersteller oder Lieferanten wie eine Fleischergenossenschaft bezieht. Ggf. sei die eigene Registrierung finanziell vorteilhaft, erklärte der Gastreferent. Vorsicht sei künftig auf jeden Fall bei der Verwendung nicht lizenzierter Verpackungen geboten: Es drohen Klagen durch „Abmahnvereine“.

 

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