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„Ihr werdet noch dringend gebraucht!“

 
 

Freitag, 22. März 2019 18:00

22 Goldene Meisterbriefe in Spalt-Stiegelmühle verliehen – nach Prüfung vor 35 Jahren zu Leistungsträgern geworden


SPALT-STIEGELMÜHLE (ley) – Vor dreieinhalb Jahrzehnten sind die 22 nun in Spalt-Stiegelmühle geehrten Fachkräfte richtig durchgestartet: Damals haben sie in den verschiedenen Gewerken ihre Meisterprüfungen absolviert und darauf Leitungsfunktion bei Unternehmen übernommen oder selbst ein solches als Chef zum Erfolg geführt. Bei einer Feierstunde im Gasthaus „Blumenthal“ wurden die Herren nun dafür mit dem „Goldenen Meisterbrief“ bedacht.

 

Ein schon traditioneller Ehrenabend, mit dem die Kreishandwerkerschaft Mittelfranken-Süd die Leistungen der Ausgezeichneten für Wirtschaft und Gesellschaft honorieren will. Wie sehr sich seit dem schon sprichwörtlichen Jahr 1984 das Leben verändert hat, machte in seinen Worten Hermann Grillenberger deutlich. Damals hätte einen jeder für die Behauptung verrückt erklärt, dass in naher Zukunft die Lehrherren einmal ihren Lehrlingen den Erwerb des Führerscheins bezahlen werden, so der Kreishandwerksmeister. Auch die tiefen Einschnitte in die Handwerksordnung habe damals noch niemand für möglich gehalten. Ebenso die Abhängigkeit vom Computer, die heute jeder Stromausfall schmerzhaft vor Augen führt. Auch mit dem „Monster Bürokratie“ hätten die Handwerker seinerzeit noch nicht so zu kämpfen gehabt. Den nun Geehrten sei es aber gelungen, sich im Lauf der Jahrzehnte behauptet und so zu „unentbehrlichen Leistungsträgern unserer Gesellschaft“ zu werden, lobte Grillenberger. Daran habe sich auch nichts geändert: „Ihr werdet noch dringend gebraucht!“ Sein Dank galt auch den Meisterfrauen für die große Unterstützung ihrer Männer. Er selbst konnte es sich nicht verkneifen zu erwähnen, dass seine Meisterprüfung 34 Jahre und neun Monate zurückliege. Doch erst nach 35 Jahren gibt es den Goldenen Meisterbrief. Seine Feststellung dass es damals noch üblich war, vor dem Prüftermin zum Friseur zu gehen, griffen auch weitere Gäste auf. Er sei erst gestern bei einem solchen gewesen, so der Rother Landrat Herbert Eckstein, er sogar erst heute, übertrumpfte ihn der Weißenburg-Gunzenhausener Landratstellvertreter Robert Westphal. Die Rückkehr der alten Zeiten könnte zu einem guten Geschäftsmodell werden, dachte zudem Friseurmeister Thomas Pirner laut nach. Er war aber nicht als solcher ans Rednerpult getreten, sondern als Präsident der Handwerkskammer Nürnberg für Mittelfranken. Als solcher zollte er seinen „Respekt und Hochachtung für die Goldmeister“. An ihnen werde ersichtlich, was das Handwerk hierzulande so sehr auszeichne – nämlich der Fokus auf Kontinuität und Qualität. Zur Standfestigkeit habe sich die Flexibilität dazu gesellt. „Sie haben sich immer neu erfunden“, lobte der Präsident den Kreativgeist der Geehrten, bevor er auf deren Prüfungsjahr 1984 zu sprechen kam. Damals sei in Deutschland die Anschnallpflicht eingeführt worden und RTL als erster Privatsender über die Bildschirme geflimmert. Zündapp habe Konkurs anmelden müssen und der VfB Stuttgart die Deutsche Meisterschaft feiern dürfen. Beim 1.FCN werde auf ein solches Fest wohl noch weitere 35 Jahre warten müssen, schätzte Pirner ein. Nun warteten erneut Herausforderungen wie die Digitalisierung auf die Betriebe, an der das „Handwerk nicht vorbeikommen wird“. Von den Goldmeistern erhoffe er sich, dass sie ihr eigenes, durch Lebenserfahrung veredeltes Wissen an die nächste Generation weitergeben, was für die Unternehmen von großer Bedeutung sei. Ihnen riet er, weiterhin auf Ausbildung zu setzen. Und nicht auf Hilfe von außen. So habe weder „die Flüchtlingswelle die erhofften Fachkräfte generiert“, so Pirner. „Und auch der Migrationspakt wird sie uns nicht hereinspülen.“ Die Geehrten selbst ermunterte er, nicht zu schnell mit dem Rückzug zu liebäugeln. Warum einen solchen etwa der Nürnberger Oberbürgemeister Ulrich Maly vollzogen habe, sei ihm schleierhaft, so der Präsident. Vielleicht wolle der scheidende Rathauschef ja nun „eine Ausbildung im Handwerk machen.“ Eckstein warf auf dieses einen differenzierten Blick: So sei die Wertschätzung fürs Lebensmittelhandwerk leider aufgrund tiefer Preise und Wegwerfmentalität gesunken, aber „das wird sich wieder ändern“. In vielen Branchen aber boome es derzeit. Hier komme es nun auf die richtige Kundenpflege an. Werde diese versäumt, räche sich dies in schlechteren Zeiten. Den pädagogischen Aspekt der Meisterbetriebe stellte der Landrat überdeutlich heraus: „Wie viele junge Leute habt ihr ohne Jugendamt erzogen?“ So seine rhetorische Frage. Auf seine eigene Gehilfenprüfung vor 50 Jahre verwies wiederum Westphal. Bevor er dem Handwerk als solches großes Lob zollte. Es sei für die hiesige Gesellschaftsstruktur lebensnotwendig und bilde das „Rückgrat der Region“. Das duale Ausbildungssystem werde weltweit geschätzt, daran könnten die Angriffe darauf auch nichts ändern. Man sollte indes vielleicht gegenteilig denken und anderen Ländern helfen, jenes System zu übernehmen, regte im Gegenzug Schwabachs Bürgermeister Roland Oeser an. Bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit könne dies wertvolle Dienste erweisen. Neuere Entwicklungen im Handwerk sah er auch unter dem Blickwinnkel einer gewissen Skepsis: „Schauen wir einmal, was aus den 3D-Robotern so herauskommt“. Es wäre schade, wenn die Entfremdung der Handwerker zu ihren Erzeugnissen durch jene Technologie noch größere Züge annehme. Zum Höhepunkt des Abends war es schließlich Pirner, Grillenberger und Sebastian Dörr als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft vorbehalten, die Goldenen Meisterbriefe zu überreichen, bevor der Abend zu Klängen von Alleinunterhalter Wolfgang Schönberger ausklang. Nachfolgend eine Auflistung nach Gewerken.

 

Maurermeister: Richard Bruckschlögl (Hilpoltstein), Benno Meier (Hilpoltstein), Horst Storch (Spalt); Stuckateurmeister: Peter Fiegl (Allersberg); Bauingenieur: Hermann-Josef Frisch (Allersberg); Wärme-Kälte-Schallschutzisoliermeister: Wolfgang Seifert (Gunzenhausen); Maler- und Lackierermeister: Klaus-Peter Daum (Spalt);

Schmiedemeister: Werner Krauß (Alesheim); Gas- und Wasserinstallateurmeister: Hans Dietrich Felsner (Pappenheim, er avancierte in den 1980ern ebenso zum Heizungs- und Lüftungsbau- wie auch zum Spenglermeister); Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister: Rudolf Pfaller (Heideck); Schreinermeister: Herbert Hermann (Bergen-Kaltenbuch); Ingenieur für Holztechnik: Heinz-Josef Leveling-Morgott (Ellingen); Elektroinstallateurmeister: Werner Braun (Schwabach), Helmut Gerstner (Hilpoltstein), Hans Grimmig (Gunzenhausen), Rudolf Heisler (Kammerstein-Haag), Friedrich Obermeyer (Schwabach), Lother Pietsch (Treuchtlingen); Bäckermeister: Harald Saß (Roth); Metzgermeister: Manfred Hanel (Gunzenhausen), Alfred Knäblein (Röttenbach), Jürgen Ziegler (Treuchtlingen).

 

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