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Schnitzel & Co. direkt in die Box

 
 

Montag, 21. Oktober 2019 18:00

Landratsamt Roth lädt Metzger zur Aktion „Mitbringsel willkommen!“ – Verpackungsmüll einsparen

Referenten und Innungsführung: Willy Böbel, Reinhold Fischer, KHS-Geschäftsführer Sebastian Dörr, Ekkehard Kurth, Dr. Miriam Wittke-Stockhausen, Ruth Röttinger und Angela Ziegler (v.l.).


Spalt – Um Verpackungsmüll einzusparen, sollen an den Theken der Metzgereien im südlichen Mittelfranken künftig Aufschnitt, Schnitzel & Co. häufiger direkt in von den Kunden mitgebrachte Töpfe oder Frischhalteboxen gelegt werden. Das würden sich die Abfallexperten im Landratsamt Roth wünschen und haben die Metzger zur Aktion „Mitbringsel willkommen!“ eingeladen. Mit einem Aufkleber auf der Ladentür oder dem Schaufenster sollen Betriebe diese Möglichkeit zum umweltgerechten Einkauf signalisieren.

 

Bei der Herbstversammlung der Metzger-Innung Mittelfranken-Süd im voll besetzten Gasthof Wechsler in Spalt bezifferte Abfallberaterin Ruth Röttinger die Menge an Verpackungsmüll auf 220,5 kg pro Kopf und Jahr – ein Plus von 19 % seit dem Jahr 2000. Der Kampf dagegen spare dem Betrieb bares Geld für teure Folien und Tüten, das Amt helfe mit Info-Material wie Flyern und Aufstellern. Klimaschutzbeauftragte Angela Ziegler betonte, die Verbraucher seien derzeit sensibilisiert für Abfallvermeidungsthemen. Beim Einkauf könne jeder seinen kleinen Beitrag leisten. Dass mit Blick auf die Lebensmittelsicherheit aber auch viele Kunden noch dazulernen müssen, machte Metzgermeister Max Gruber (Großweingarten) klar: Er habe schon erlebt, wie jemand sein Fleisch in eine Box verpackt haben wollte, die direkt aus dem 30 Grad heißen Auto kam. Obermeister Willy Böbel (Georgensgmünd-Rittersbach) kündigte an, auf der Jahreshauptversammlung 2020 mit den Fachleuten eine Zwischenbilanz zur Aktion zu ziehen.

 

Böbel blickte auf die Nacht der Ausbildung in Roth und den Berufsparcours in Weißenburg zurück und mahnte mehr Beteiligung der Kollegen an. Er lud zur Präsentation eines Fleischsommeliers am 6. November, zur Obermeistertagung am 14. November in der Fleischerschule Augsburg und zur Jahresabschlussfeier am 24. November ein. Für das Frühjahr plant man eine Schulung zu den Themen Hygiene und Infektionsschutzgesetz.

 

Als weitere Gastreferentin wies Dr. Miriam Wittke-Stockhausen, Leiterin des Veterinäramtes Weißenburg-Gunzenhausen, auf den neu erschienenen Leitfaden zum Transport von Schweinen und Rindern hin.

 

Als Nachfolger von Dr. Herbert Hurka als Leiter des Veterinäramts Roth stellte sich Ekkehard Kurth vor. Der 47-Jährige war zuvor in Fürth und Weißenburg tätig und leitet nun die Abteilung 8 des Landratsamtes. Er lobte die Innung als wichtiges Sprachrohr der Betriebe gegenüber Politik und Behörden. Kurth wies auf den immer höheren Stellenwert des Tierschutzes hin und empfahl dem Handwerk, seinen regionalen Bezug und seine Qualitätsvorteile stärker herauszustellen und zu bewerben.

 

Lars Bubnik, Geschäftsführer des Fleischerverbandes Bayern, warb für die Produktqualität aus dessen 1400 Mitgliedsbetrieben. Hier werde Verbraucherschutz gelebt – man wehre sich gegen eine „Hexenjagd“, die Organisationen wie „Food Watch“ mit Forderungen etwa nach Veröffentlichung jedes Kontrollberichtes heraufbeschwörten. Leider zeigten aber auch viele Kunden eine Art Doppelmoral: „Teures Grill-Equipment, aber billiges Fleisch, Demos für den Klimaschutz, aber Einkauf bei Amazon.“ Bubnik sprach sich gegen eine Mehrwertsteuererhöhung für Fleisch aus und mahnte eine Förderung wie für Bayerns Gastronomie (30 Mio. Euro) und ein Ende des Schlagworts „Metzgersterben“ an: Man habe einen zukunftsfähigen, anspruchsvollen Beruf, der für junge Leute attraktiv sei. Apropos: Mit dem neuen bayerischen „Metzger-M“ habe man eine unverbrauchte Marke für T-Shirts, Caps u.v.m. kreiert und hofft damit auf mehr Fachkräftenachwuchs. Kommen wird evtl. eine Neustrukturierung der Ausbildung zur Fachverkäuferin auf zwei Module mit zwei Abschlüssen in drei Jahren. Wichtig fände er auch eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes, um sie im Alltag flexibler zu gestalten.

 

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